Erfahrungen/Meinungen

Mein 1. Jahr an der Börse – aus Fehlern lernt man

Börse_Erfahrung

Im Jahr 2016 habe ich den Entschluss gefasst, das ich in Aktien investiere. Vorher hatte ich mich einige Monate über Bücher, Foren, Blogs und Videos über Börse und Finanzen schlau gemacht. Das theoretische Fundament stand und ich fühlte mich im Sommer 2016 bereit zu Investieren.

Nach einem kurzen Vergleich der Broker habe ich mich für Comdirect entschieden. Gute Konditionen, guter Service und eine übersichtliche Plattform. Die Anmeldung ging sehr schnell und ich konnte mich dann auf die Suche nach meiner ersten Aktie machen.

Die Kriterien beim Kauf meiner ersten Aktie waren relativ unkonkret. Es sollte eine deutsche Aktie sein, dessen Geschäftsmodell ich verstand. Darauf habe ich mir die deutschen Indizes angeguckt und die dortigen Unternehmen unter die Lupe genommen. Bayer? Von Pharmazie verstand ich nicht viel. Allianz? Versicherungen waren mir zu undurchsichtig. BASF? Mit der Chemie-Branche bin ich bisher nicht in Berührung gekommen. Letztendlich bin ich auf Freenet gekommen. Wie genau weiß ich gar nicht mehr – jedoch verstand ich als Wirtschaftsinformatiker das Geschäftsmodell und es war eine deutsche Aktie. Die verschiedenen Firmen, die unter Freenet angesiedelt sind, gaben eine gewisse Sicherheit (Diversifikation innerhalb der Firma). Zusätzlich ist die Branche generell im Wachstum und die Dividendenrendite war auch nicht klein.

Mir war bewusst, dass bei Kauf einer Einzelaktie die Kosten bei ungefähr bei 10Euro lagen und daher eigentlich ein Kauf erst ab 1.000-2.000 Euro Sinn machte, da ansonsten die Kosten zu hoch seien. Damals hatte ich jedoch nicht genug Geld für einen Aktienkauf in der Höhe und ich kaufte bewusst für 498,40 Euro Aktien. Wie heißt es so schön? The secret of winning is beginning. Ich wollte meine erste Aktie kaufen, um vorallem Erfahrung an der Börse zu sammeln. Was passiert wenn der Preis der Aktie deutlich ins Minus geht usw. Doch bei meiner ersten Aktie hatte ich bereits einen schwerwiegenden Fehler gemacht, zu dem ich später kommen werde.
Nach Freenet kam die Commerzbank-Aktie in mein Depot. Warum? Der Kurs ist meines Erachtens ohne tiefgründigen Grund abgerutscht und ich hoffte auf eine baldige Erholung des Kurses. Ein Monat später verkaufte ich diese wieder – mit einem kleinen Gewinn. Glück gehabt. Die darauffolgenden Aktienkäufe waren sehr von der Dividendenstrategie geprägt. Werte wie Coca Cola, McDonalds, Novo Nordisk oder Procter & Gamble wanderten in mein Depot. Bei den Käufen habe ich dann zumindest auf den richtigen Betrag beim Kauf geachtet, sodass die Kosten gering waren. Doch richtig glücklich war ich mit den Werten auch nicht. Die Kurse waren stabil – zu stabil. Ich fand die Werte schlichtweg zu langweilig. Ich war in der Aktienwelt und wollte Action. Hätte ich mir eigentlich auch vorher denken können, doch so richtig Gedanken gemacht habe ich mir über meine Anlagestrategie vorher nicht. Also zack – alle Dividendenaktien verkauft. Nun versuchte ich es mit Aktien, die deutlich Wert verloren haben, bzw. wo ich sehr viel Potential sah. Rocket Internet, Aurelius und iRobot waren dabei. Rocket Internet hat weiter Verluste gemacht – ich habe meine Position mit rund 20% Verlust verkauft (wenn ich mich richtig erinnere). Aurelius stieg kurz an und ich bin dann rausgegangen. iRobot konnte ich tatsächlich mit 50% Kursplus verkaufen.

 

Das Jahr ging sehr schnell vorbei und ich habe dutzende Fehler gemacht, die mir erst im Nachhinein so richtig klar wurden. Rund 5% Verlust habe ich nach meinem ersten Jahr gemacht.

 

Keine Strategie
Vor dem Kauf einer Aktie, habe ich mir nicht wirklich Gedanken um die Strategie und meinen gemacht. Die Dividendenstrategie war mir wohl in der Theorie bewusst, jedoch ist die Praxis in der Dividendenstrategie relativ langweilig. Die Kurse sollten bei der Strategie egal sein und man reinvestiert nach und nach die Dividenden. Das war mir in meinem 1. Börsenjahr zu langweilig.

Hin und her macht Taschen leer
Durch die ganzen Käufe und Verkäufe habe ich einiges an Rendite verloren, da jede Order Geld kostet. Bei mir waren es immer rund 0,5 – 1% vom Investment. Das muss man erst einmal wieder reinholen – was in so einer kurzen Zeit nicht möglich war.

Zu hohe Erwartungen
Börse – das war für mich am Anfang Action pur. Täglich konnte man die Kurse verfolgen und nebenbei poppten immer wieder Artikel mit dem Titel „mit der Aktie XY hätte man die letzten Jahren 1000% gemacht“ auf. Doch die Realität sieht natürlich anders aus und das tägliche kontrollieren der Kurse ist reine Zeitverschendung – vorallem bei der Dividendenstrategie.

Investieren mit Geld, welches gebraucht wird
Vor dem Handel an der Börse hatte ich mir Geld zur Seite gelegt, welches für Notfälle gedacht war. Dies reichte jedoch nicht und ich musste Aktien verkaufen. Das ist natürlich semi gut, da man dann zu den aktuellen Kursen verkaufen muss und diese dann nicht immer grün waren.

 
Doch letztendlich möchte ich das erste Jahr nicht missen und ich habe nicht alles falsch gemacht. Mit dem Programm Portfolio Performance habe ich immer meine Rendite gemessen und mir wurde bewusst, dass das ganze so keinen Sinn macht. Zumindest das Kontrollieren der Rendite war gut und ich habe meine ersten Erfahrungen an der Börse gesammelt.

 

Fazit:
Bevor man in Aktien investiert sollte man sich seiner Strategie und deren Vor- und Nachteile bewusst machen. Orders kosten Geld, Kaufe und Verkaufe mit bedacht. Habe nicht zu hohe Erwartungen – vergleiche dich mit Indizes. Kein Privatanleger wird über Jahrzehnte hinweg 20% Rendite pro Jahr machen. Investiere nur Geld, das du nicht brauchst. Habe einen ausreichend großen Notgroschen.

Wie habt ihr euer erstes Jahr an der Börse erlebt?

2 Kommentare

  1. Danke für diesen ehrlichen Bericht – aller Anfang ist schwer aber ich denke, Du bist auf einem guten Weg. Am Anfang können es auch ETFs sein, es gibt Broker die kostenfreie ETF Sparpläne anbieten wo man jeden Monat Summe X in z.B. einen ETF auf den DAX oder NASDAQ anlegen kann.

    So kommt in das Thema mehr Routine rein. Bei Fragen helfe ich sehr gerne!

  2. Du hast zwar grundsätzliche Fehler gemacht (z.B. Strategiewechsel etc.) aber Dir sind die Fehler bewusst – daher kann es im zweiten Jahr nur besser werden 🙂

    Ich fahre mit meiner „langweiligen“ Dividendenstrategie super! Und für die Action gibt es ein „anderes“ Depot mit weniger Kapital 🙂

    Grüße

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