Erfahrungen/Meinungen

3 Gründe, warum ich nicht in ETFs investiere

Exchange Traded Funds – oder auch kurz ETFs –  bilden einen bestimmten Index nach. Ein bekanntes Beispiel ist der MSCI World ETF. Diese internationale Index bildet rund 1.600 Unternehmen aus 23 Ländern ab. Es gibt aber auch z.B. ein ETF auf den DAX. ETFs sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Tatsächlich gibt es einige Vorteile:

  • breite Diversifikation, da man gleichzeitig in viele Aktien investiert ist
  • es sind günstige Sparpläne ab 25 € monatlich möglich
  • Beim Kauf eines z.B. MSCI World ETF kann man relativ wenig falsch machen – es sind zwar Vorkenntnisse nötig, jedoch würde ich behaupten, dass man bei einzelnen Einzelaktien höheres Risiko hat

Nichtsdestotrotz habe ich einige Gründe, warum ich persönlich nicht in ETFs investiere. Diese Gründe sind rein persönlich und es gibt wahrscheinlich auch andere Meinungen.

Hier sind drei Gründe, warum ich nicht in ETFs investiere:

1. Ich möchte Wissen, in welche Unternehmen ich investiere

Beim MSCI World ist man wie gesagt passiv in 1.600 Unternehmen investiert. Unter den 1.600 Unternehmen sind jedoch bestimmt einige, die für mich ethisch nicht korrekt arbeiten. Beispiele dafür können Rüstungskonzerne, Tabakhersteller, Atomindustrie oder ähnliche sein. Die Frage, was ein ethisches Investment ist, ist sicherlich eine, die man nicht in 2-3 Sätzen beantworten kann. Jedoch würde ich mich nicht wohl fühlen, wenn ich mit meinem privaten Geld einen Rüstungskonzern unterstütze. Viele würden sicherlich sagen, dass es ja ein passives – also kein direktes – Investment wäre. Trotzdem kann ich mit den Nicht-Kauf eines MSCI World ausschließen, dass ich auch nicht passiv in ein solches Unternehmen investiere.

Bei einer Einzelaktie kann ich zwar nicht zu 100% ausschließen, ob alle (Sub-) Unternehmen ethisch korrekt arbeiten, jedoch kann ich mich vorher über die Geschäfte informieren um zumindest das offensichtlichste zu finden und zu bewerten

2. Gebühren

Bei einem ETF hat man laufende Kosten. Die ETF-Verwaltungsgebühr ist zwar mit 0,05 – 0,75% pro Jahr relativ niedrig – jedoch fällt sie an. Bei einem Kauf einer Einzelaktie sind die Kosten relativ transparent. Ich zahle einen Betrag beim Kauf und beim Verkauf. Gerade für mich als Langfristinvestor ein großer Unterschied.

Hier eine sehr vereinfachte Rechnung:

Man investiert einmalig 10.000€ für 40 Jahre. Der Zinssatz beträgt 6% p.a. .
Per Zinseszins würde man auf eine Summe von 102.857,18 € kommen.
Man investiert einmalig 10.000€ für 40 Jahre. Der Zinssatz beträgt 5,25% p.a. . Hier habe ich 0,75% ETF-Kosten vom Zinssatz abgezogen.
Per Zinseszins würde man auf eine Summe von 77.425,53 € kommen.

Der Unterschied beträgt bei dem Beispiel also 25.431,65 €

Abgeltungssteuer sind natürlich bei ETFs und Einzelaktien vorhanden.

Unabhängig von den – aus meiner Sicht – finanziellen Vorteilen – ist für mich das Gefühl der Kosten bei Einzelaktien besser. Man zahlt zu den Steuern nur die Kosten bei Kauf/Verkauf und fertig.

3. Das Gefühl, in ein Unternehmen investiert zu sein

Bei einer Einzelaktie bin ich direkt in das Unternehmen investiert. Ich kann eine Coca-Cola-Flasche in der Hand halten und sagen: In dem Unternehmen bin ich direkt mit x € investiert.

Bei einem ETF wären höchstens nur ein paar Prozent meiner Investition in dem Unternehmen investiert. Ich bin Coca-Cola also nur x% von x€ investiert.  Man hat zwar wie oben beschrieben den Vorteil der Diversifikation, jedoch ist dies auch ein Nachteil für mich. Zudem habe ich noch nicht gefunden, wie man herausfinden kann, welche Aktien derzeit in welchem ETF abgebildet sind.

 

Die genannten 3 Gründe sind meine persönlichen Gründe. Sicherlich gibt es auch andere Meinungen. Es wäre interessant zu Wissen, was ihr über meine Ansichten denkt.

2 Kommentare

  1. Ach herrje, das erste mal, dass ich jemanden zu einem Artikel motiviere! Okay. Da muss ich mich nochmal ins Zeug legen.
    Tja, obwohl ich finde, dass der Diversifikations-Vorteil alles andere überwiegt, kann man noch weitere Nachteile der Index-fonds anführen. So sind sie manchmal schrecklich intransparent.

    Ein DAX ETF kann beispielsweise aus japanischen Aktien bestehen.

    Der Unterschied in der Wertentwicklung zwischen Nippon-Aktie und dem DAX wird dann durch irgendwelche Tauschgeschäfte ausgeglichen. (Wer sich mehr dafür interessiert, die Tauschgeschäfte laufen meist unter dem Begriff swap (https://de.wikipedia.org/wiki/Swap_(Wirtschaft)) Falls die andere Seite des Tauschgeschäfts (in aller Regel eine zweite Bank) in Konkurs geht, ist dieser Swap Anteil futsch. Das ist sehr unschön, aber auch kein Beinbruch. Der Swap-Anteil darf höchstens 10 Prozent betragen.

    Wer jetzt keinen Bock mehr auf ETF’s hat, muss auf sie nicht verzichten. Es gibt welche, die tatsächlich aus dem bestehen, aus dem sie bestehen sollten. Also z.B. ein DAX Index-Fonds, der tatsächlich nur aus DAX -werten besteht, und das auch noch in der korrekten Gewichtung. So was nennt sich physisch replizierend. Hat aber natürlich auch einen Haken. Der ETF-Anbieter kann einen Teil dieser Aktien wieder einer anderen Bank verleihen. Und die kann natürlich auch wieder ins Gras beißen.
    Und wer kommt für den Schaden auf?
    Nun, nicht der ETF-Anbieter…

    • Hallo Markus,

      der Beitrag war schon länger geplant und du hast quasi den Stein nochmal ins Rollen gebracht 😉
      Diese Intransparent ist für mich auch ein guter Grund für eine Nicht-Investition. So ähnlich habe ich es ja bereits mit meinem Gefühl beschrieben, dass ich gar nicht so richtig weiß, in was ich eigentlich investiert habe. Bei einer Einzelaktie kaufe ich einen bestimmten Anteil an ein Unternehmen und fertig.

      Beste Grüße,
      Daniel

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